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Meine Geschichte.

Brütend heiß war es am 23. Juni 1983 in Bochum, als ich nachmittags das Licht der Welt erblickte. 

Wenige Wochen zuvor war meine Mutter aus Pakistan zurückgekehrt. Dort arbeitete sie als Expeditionsärztin der 1. Nordrhein-Westfälischen Himalaya Expedition zum Südwestgrat des Nanga Parbat. 
Mein Vater hätte bei diesem Vorhaben auch dabei sein sollen, jedoch vermutete man bei Ihm zwei Tage vor der Abreise den Ausbruch der Masern, so dass er zuhause blieb, um die restlichen Expeditionsteilnehmer und vor allem meine Mutter nicht durch den möglichen Ausbruch der Krankheit zu gefährden. 

Die Fotografie war ein Teil der Tätigkeiten meiner Eltern. Mein Vater dokumentierte seine Expeditionen und Besteigungen und meine Mutter hielt als Expeditionsärztin Länder und Einheimische mit Ihrer analogen Leica-Kleinbildkamera fest. 
Ich erinnere mich gut an den Geruch ihrer ledernen Kamerataschen oder an den beißenden Essiggeruch beim Entwickeln Ihrer Filme. 
So kam ich früh mit der Fotografie und der Bedeutung, Momente für die Ewigkeit zu konservieren, in Verbindung. 

1990 bekam ich die alte Leica M3 meines Vaters: Meine erste Kamera. 
Diese Kamera hatte ihn in den Alpen, im Kaukasus und im Himalaya auf seinen Bergtouren begleitet. Dementsprechend hatte er ein wachendes und strenges Auge auf meinen Umgang mit dem Gerät, so lernte ich den gewissenhaften Umgang mit dem Handwerk der Fotografie. 

Im gleichen Jahr begannen meine Eltern, dem intensiven Expeditionsbergsteigen die Rücken zu kehren, blieben aber thematisch dem Bergsport treu. 
Meine Mutter fotografierte für bekannte Sportartikelhersteller die Katalogfotos, mein Vater begleitete Athleten in den Alpen auf Ihren Touren und dokumentierte diese für Werbezwecke und Sportmagazine. 
So kam es, dass ich nach dem Kindergarten und später nach der Schule die Zeit bei meiner Mutter im Atelier verbrachte oder in den Ferien meinen Vater bei seinen Aufträgen assistierte. 

Um die Jahrtausendwende dann gingen meine Eltern nur noch zur eigenen Entspannung und im Urlaub in die Berge. Mein Vater hatte sich inzwischen den Traum seiner eigenen Kfz-Werkstatt erfüllt, wo meine Mutter die Buchführung und die Bürotätigkeiten übernahm. 

Im Jahr 2002 machte ich als zweitbester meines Jahrgangs Abitur und zog in eine Dachgeschosswohnung in Ober-Mumbach bei Darmstadt, um eine Karriere als Raumfahrtingenieur bei der ESA zu beginnen. 
Doch während meiner Semesterferien in meinem zweiten Studienjahr biss mir eine Monokelkobra auf einer Reise durch Südwestchina ins linke Schienbein und die sowohl zytotoxischen als auch neurotoxischen Auswirkungen dieses Schlangenbisses zwangen mich zur Aufgabe meines Traumes, Astronaut zu werden. 
Im Tropeninstitut des Universitätsklinikum Frankfurt erinnerte ich mich an die alte Leica M3 meines Vaters und begann, das Krankenhauspersonal zu portraitieren - Das war der Startschuss meiner Fotografenkarriere. 

Zurück in Bochum, zwischenzeitlich auch zwei Jahre in Aachen, arbeitete ich, neben meiner täglichen Arbeit als Vertriebsmitarbeiter, als freier Fotograf. 

Ich portraitierte junge, hübsche Frauen und begleitete Hochzeitspaare fotografisch am Tag Ihres Ja-Wortes. So erarbeitete ich mir einen guten Ruf als Fotograf und visueller Wegbegleiter. 

2008, auf einer Reise durch Amerika, schlug jedoch das Schicksal erneut kalt und frei von Skrupeln zu. 
Am 11. März diesen Jahres wohnten mein Freund und Kollege Christopher und ich einem Space-Shuttle Start vom Kennedy Space Center in Florida bei, ein Kindheitstraum von mir, als mich kurz nach dem Start ein gefrorenes Schaumstoffteil des externen Treibstofftanks, welches das Shuttle „Endeavour“ in die Umlaufbahn brachte, am Kopf traf, ich das Bewusstsein verlor und ins Koma fiel. 
Übrigens war dieser technische Mangel des externen Treibstofftanks auch der Grund, der das Space Shuttle „Columbia“ im Jahr 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre in ca. 61.000 Metern Höhe über Texas auseinanderbrechen ließ.
Offenbar hatte die NASA die Korrektur dieses Mangels nicht genügend ernst genommen.

Als ich aufwachte, lag ich in einem schmalen Raum und blickte an eine weiße Decke. Mir war warm, der Geruch kam mir vertraut vor und ich hörte mir bekannte Stimmen und Geräusche. 
Ein Staubsauger stieß von außen an die Zimmertür, die Uhr zeigte 09:15 Uhr am Morgen des 11. April 2009.
Ich stellte einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Tatsachen her und schlussfolgerte: Ich bin offenbar bei meinen Eltern. Anders konnte ich mir dieses Geräusch und die frühe Uhrzeit nicht erklären - typisch Mutter eben. 
Ich versuchte aus dem Bett aufzustehen, doch meine Beine versagten ihren Dienst und ich fiel mit einem dumpfen Knall zu Boden. Meine Mutter öffnete die 
Zimmertür, lächelte mich warmherzig an und fragte: „Spiegel- oder Rührei? Du hast etwas länger geschlafen…“. 

Am Frühstückstisch erklärten mir meine Eltern, was passiert war und was ich offenbar vergessen hatte. 

Der Schlangenbiss in Südwestchina, das Schaumstoffteil des externen Treibstofftanks der „Endeavour“ und meine fotografischen Errungenschaften. 
Ich brauchte ein paar Tage, um Erinnerungen und Gedanken zu ordnen und zu entscheiden, womit ich mein weiteres Leben füllen würde: 
Mit Fotografie.