Wir reden: Matthes & ich.

Robin: Moin Matthes, wie geht´s Dir? Wie war´s gestern? Du hattest zwei Shootings an einem Tag!? 

Matthes: Moin Robin, danke der Nachfrage, mir geht es sehr gut.
Ja, zwei Shootings an einem Tag ist schon etwas anstrengend gewesen fand ich, zumal es mit viel Fahrerei verbunden war. Insgesamt 210 Kilometer.

Robin: Kann man ja jetzt aufrechnen: Wie viele Fotos hast Du schlussendlich insgesamt gemacht? Pro gefahrenen Kilometer ein Bild? 😉 
Was waren das für Shootings? 

Matthes: SD-Karten sei Dank, sind es etwas mehr geworden (1,567 Bilder pro Kilometer 😉 ) und habe insgesamt 329 mal auf den Auslöser gedrückt.
Das erste Shooting hatte ich mit meiner Nichte, die immer gerne einmal Fotos haben wollte. 
Für Sie war es eine neue Erfahrung vor der Kamera zu stehen, aber es hat ihr sehr gut gefallen und möchte jetzt gerne öfters einmal vor die Kamera.
Das zweite Shooting fand in der Schwarzweißmalerei in Solingen statt.

Robin: Du bist ja jetzt auch noch nicht so unfassbar lange in der Menschenfotografie umtriebig, wie ist das für Dich mit jemandem zu arbeiten, der noch so gar keine Erfahrungen hat?

Matthes: Es ist immer eine kleine Herausforderung, aber ist auch für mich dann ein gutes Training.
Hier ist es natürlich auch von Vorteil, dass man sich persönlich schon kennt, so ging es meiner Nichte auch.

Robin: Das glaube ich. 
Was hattest Du Dir für das erste Shooting Deiner Nichte überlegt? Irgendwas besonderes? Oder erstmal dem Thema annähern lassen?

Matthes: Da Sie eher ein naturverbundener Mensch ist, bin ich mit ihr in Dorsten an den Kanal gegangen und sie konnte ihren Hund mitnehmen.
Überlegt habe ich mir, wie meistens eigentlich nichts, da ich auch erstmal schauen wollte, wie es ihr gefällt. 

Robin: Hier können wir den großen, deutschen Philosophen Helge Schneider zitieren: „Ich habe nichts vorbereitet, damit auch nichts schiefgehen kann!“ 😉 
Und dann kam Dein bzw. unser zweites Shooting. Worum ging´s da? 

Matthes: Genau so!
Ja, auch zum zweiten Shooting bin ich unvorbereitet hingekommen und habe das Set erst einmal auf mich wirken lassen. 
Als Set hattest Du ein schönen dunklen Raum vorbereitet und dazu noch eine kleine Nebelmaschine aufgestellt. Auf ein Minimum reduziert, wunderbar.

Robin: Naja, das war schlichtweg mein „Wohlfühl-Setup“: Alles dunkel, nach meinem Gusto gesetztes Streiflicht, bißchen Nebel und dann mal gucken 😊 
Das ist, kann man ja ruhig so sagen, SO einfach, das kann man zuhause nachbauen, da ist keine Wissenschaft hinter. 
Aber Du hast, gerade bei Olaf gesehen, dass der sich erstmal fragte: „Wie soll ich hier ein Bild machen, das ist viel zu dunkel und dann auch noch vernebelt!?“ 😃 
Kannte er so ja noch gar nicht… 

Matthes: Ja, das kann man wirklich überall aufbauen, da sollte man sich eigentlich immer ein Moltonstoff parat habe, um die Fenster abzuhängen.
Mein erster Gedanke als ich reingekommen bin, war: „Geil!“
Du sagst, das es Dein „Wohlfühl-Setup“ ist, hat es Dich aus Deinem kreativen Loch wieder rausgeholt?

Robin: Jein, so richtig kreativ war ich ja nie 😃 Aber ich brauchte mal wieder etwas „funktionierendes“, etwas, dass mir Sicherheit vermittelt und wo ich weiß, was ich tue und was ziemlich sicher dabei herauskommen wird. 
Meine letzten beiden Shootings, wenn man sie überhaupt so nennen kann, waren einfach nicht gut. Die Ergebnisse waren nicht überzeugend und ich habe mich nicht wohl gefühlt. 
Also sagte ich mir: „Mach´ ich jetzt Pause und nehme mir so auch noch die Möglichkeit, das zu tun, was ich mag? Oder spiel´ ich einfach mal eine sichere Karte und hole mir etwas Selbstbewusstsein zurück?“
Ich entschied´ mich für letzteres und lag -Stand jetzt- richtig. 

Matthes: Du sagst, das Du nicht so wirklich kreativ bist, aber wo nimmst Du dann Deine Ideen her?
Ich nutze da gerne Fotografen, auch Instagram, deren Stil mir gefällt und baue die Ideen aber auf mich um, so zum Beispiel auch meine analog Serie mit Isabell auf dem Parkdeck am Flughafen.

Robin: Gestern das Set war vorrangig von Vincent Peters inspiriert. Ansonsten höre ich halt einfach in mich hinein: Will ich raus? Will ich rein? Will ich hell? Will ich dunkel? Will ich unterschwellig-erotisch oder darf´s auch mal ein bißchen Fashion sein? Wenn ich dann eine Entscheidung für mich getroffen habe, schaue ich, ob ich einen Bildband in diese Richtung zuhause habe. Da blätte ich bei einem Kaffee dann einfach nochmal rein, ansonsten mache ich mir da gar nicht so unfassbar viele Gedanken zu, ich versuche halt schon sehr auf mich zu hören und nicht zu viel nachzumachen. Auch wenn´s schwer ist, das Rad neu zu erfinden bzw. immer was neues zu liefern. 
Wer hat Dich denn zur Parkdeck-Serie inspiriert? 

Matthes: Zu der Serie hat mich Paul Hüttemann inspiriert, das ist einer der Newcomer.
Er hatte natürlich auch sehr viel Glück hatte, da er von Paul Ripke empfohlen wurde, als Lena Meyer-Landrut einen persönlichen Fotograf gesucht hat. 
Da hat er natürlich auch ein schönes Model gehabt. Auf Instagram bin ich ihm aber schon gefolgt, bevor er den Job erhalten hat und dadurch bekannt geworden ist.
Die Serie, die er da hatte, war zwar eher im typischen Instastil, aber da habe ich mit Isabell aber unser Ding draus gemacht.

Robin: Am Ende nimmt man ja einzelne Elemente, die einem zusagen und macht was eigenes ´draus, stumpf kopieren ist zwar Gang und Gäbe, aber da gibt´s dann halt keine Weiterentwicklung. 
Hast Du denn noch so ein, zwei Ideen im Kopf, die von anderen Fotografen herrühren, die Du gern mal bei Dir anwenden wollen würdest?

Matthes: Ja eine Idee habe ich auf jeden Fall und die möchte ich auf jeden Fall noch umsetzen. Ich habe immer die Bilder von Lindberg im Kopf, wie die Fashion Serie in New York gemacht hat. 
Da New York für mich ja eher nicht, mal eben erreichbar ist, werde ich dies wohl mal in Düsseldorf oder Köln umsetzen. 

Robin: So ähnlich geht´s mir auch, ich würde unheimlich gern mal mit einem Model nach London oder Paris, Städte sehen und dort fotografieren. Schauen wir mal, was sich so ergibt…

Matthes: Was für Ideen schwirren Dir denn noch im Kopf rum, die Du gerne einmal umsetzen möchtest?

Robin: Ja, siehe oben, London und/oder Paris wären mal geil. So konkret habe ich jetzt für die nächste Zeit nichts geplant, aber ich greife in naher Zukunft mal grundsätzlich etwas höher: Ich möchte bekanntere Menschen fotografieren, die ich selbst cool finde. Also werde ich wohl in Zukunft häufiger an info@…. schreiben, hahahaha! 

Matthes: Wir fotografieren ja beide gerne auch mal analog, würdest Du auch ein shooting nur analog und in Farbe machen?

Robin: Boah, aktuell nicht, nein. Ich bin aktuell froh, wenn ich digital was auf die Kette bekomme, da muss ich nicht auch noch Geld verbrennen, indem ich meine derzeitige Unsicherheit auf Film bringe. 
Aber auch die Zeit kommt wieder und dann wird´s sicher so sein, dass ich mal analog was in Farbe mache, gerade diese Filme, die so einen Kinofilm-Look haben, find´ ich ja mega! 
Wird bei Dir denn die Zeit kommen, in dem Du dem digitalen ganz entsagst und nur noch analog fotografierst?  

Matthes: Nein, ich werde digital nicht aufgeben, denn gerade für Landschaftsaufnahmen und Langzeitbelichtungen, möchte ich nicht analog machen.

Robin: Das sagst Du jetzt… was steht als nächstes auf Deiner Foto-Einkaufsliste? 

Matthes: Stand! 
Auf meiner Einkaufsliste standen jetzt vor allem Filme.
Der Fujifilm C200 ist derzeit überall schlecht lieferbar und wenn der lieferbar ist, dann zu utopischen Preisen, dass die teilweise bis zu 12€! pro Film aufrufen. 
Da habe ich mir jetzt ein 10er Pack für 3,89€ pro Film bestellt.
Auf meiner „G.A.S.“ Liste, steht allerdings noch das 45mm Objektiv für meine Contax G1.

Robin: Da hab ich´s einfacher: Wie finanziere ich das 28mm von Leica, welches ich grad´ zuhause testen darf….!?

Matthes: Welches aber auch ein vielfaches von dem kostet, was das 45mm von Contax kostet. 😊

Robin: So hat jeder sein Vietnam. 😊

Von Matthes.

Von mir.

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