MEIN FOTOGRAFISCHER WEG, KUNST UND WAS MIR SONST NOCH SO EINFÄLLT…

– ein Gastbeitrag von Vera Engelbertz.

Robin Disselkamp hat mich gebeten, einen Gast-Blog-Beitrag für seine neu designte und schicke Webseite zu schreiben. Über meine fotografische Entwicklung und das, was wichtig ist für mich in der Fotografie. Eigentlich hatte er mich sogar eingeladen, darüber mit ihm in seinem Podcast zu diskutieren, aber das war nix für mich, so dass ich jetzt das Medium nutze, in dem ich mich wohler fühle 😉 .
Und weil ich den Artikel ganz cool finde, kommt er auch auf meinen eigenen Blog!

Wer bin ich eigentlich: ich bin Dr. Vera Engelbertz, Hobbyfotografin aus der Aachener Euregio und eine der ersten Teilnehmer(innen) von Robins Workshop 2019.

Keine Sorge, ich werde Euch jetzt nicht mit langen Ausführungen über meine erste Kamera und die Urlaubsfotos in den Familienurlauben langweilen. Meinem Vater bin ich dankbar dafür, mir die Fotografie mit der damals noch analogen Spiegelreflex beigebracht zu haben, danach kamen ein paar Knipsereien, dann kamen irgendwann auch kleine Digitalkompaktkameras, dann kam der Hund und die erste digitale Spiegelreflex von Canon, und weil der Hund zu schnell für das Sportprogramm war, musste ich musste mich mit ISO, Blende und Verschlusszeit beschäftigen.
Das hatte ich dann immerhin 90% aller anderen Kamerabesitzer voraus und so wurden meine Fotos immer besser.
Mit meiner guten Freundin Kathrin, mit der ich ganz oft auch heute noch zusammen fotografiere, macht das Ganze natürlich umso mehr Spaß und man kann sich gegenseitig motivieren und voneinander lernen!

Tip 1: sucht Euch Fotofreunde und verabredet Euch zum Fotografieren. Dabei kann man fotografisch ne Menge lernen und lernt auch einfach wunderbare Menschen kennen.

Und dann kam 2017 dann aber doch Technik ins Spiel. Meine damalige Canon 70D war eigentlich für mich zu schwer, so dass ich sehr genau überlegt habe, wann ich die denn mal mitnehme. Außerdem lag sie mir auch nicht gut in der Hand. Das wusste ich damals aber noch nicht.

So kam der Wunsch nach einer „Immerdabei-Kamera“ auf. Und nach einiger Recherche und gefühlt einigen 100 youtube-Videos von verschiedenen Grippekranken (neudeutsch Influenzern :0) ) wurde es die Olympus PEN-F mit dem kleinen süßen 17 mm und 45 mm f1,8. Diese Immerdabei-Kamera bekam noch ein Half-Case für besseren Griff und danach war sie tatsächlich immer dabei. Und die Canon verstaubte in ihrer Tasche.
ALLES an der PEN-F (außer dem Nachführ-Autofokus) war besser als an der Canon. Optik, Haptik, Bedienbarkeit, High-Iso-Fähigkeit, Farben, Schärfe… ich liebe diese Kamera einfach und sie ist bis heute meine absolute Lieblingskamera.

Der Gurt wurde inzwischen durch die schmalere Variante ersetzt … kennt ihr das Problem, dass ihr selbst nie auf Fotos auftaucht und Euch im Spiegel fotografieren müsst? LOL


Diese Kamera hat meine Kreativität beflügelt, weil Fotografieren plötzlich einfach wurde. Ich musste nicht mehr nachdenken, sondern konnte mich um das „Sehen“ und das Motiv kümmern. Sie war eine Verlängerung meines Armes, meine Finger konnten intuitiv Räder und Knöpfe bedienen und sie fühlte sich gut an. Keine Belastung. Plötzlich wusste ich, sooo sollte sich fotografieren anfühlen, und die Ideen sprudelten nur so aus mir heraus. Ich konnte tatsächlich auch mich, meine Stimmungen, meine Gefühle in meinen Fotos ausdrücken, während die Canon mich immer außen vor gelassen hatte.

einfach mal den Blickwinkel ändern….



Nicht verwunderlich, dass ich inzwischen die Canon verkauft habe, einen Objektivpark für Olympus habe, eine zweite Olympuskamera (OMD-EM1M2) als Arbeitstier und für rennende Hunde und Pferde habe und einfach nur glücklich mit dem Zeug bin?

Tip2: Eure Kamera muss zu Euch und Euren Bedürfnissen passen. Wenn ihr sie in die Hand nehmt, dann muss sie sich anfühlen, als würde sie dahin gehören. Technik soll Euch unterstützen und nicht belasten.

Tip3 direkt hinterher…. macht Euch frei von dem Mist, dass Vollformat das einzig Wahre sei. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sieht man bei den modernen Kameras weder auf dem Bildschirm noch auf dem Großdruck, ob das Foto mit einem Vollformat-, APSC- oder M43-Sensor aufgenommen wurde.

Das soll jetzt auch keine Olympus-Werbeveranstaltung werden, denn erstens gilt es nur für mich, dass Olympus-Kameras und Objektive zu mir passen wie angegossen, das muss für Dich, der Du das hier liest, ja nicht so sein. Zweitens kann es sein, dass Olympus seine Imagingsparte verkauft und die Zukunft unsicher ist. Auf der anderen Seite mache ich trotzdem gerne ein bisschen Werbung, denn Olympus ist zumindest in Europa ein absoluter Underdog. Wenn in beliebten Fuji- und Canon-affinen Podcasts von Features neuer Kameras geredet wurde und diese gelobt wurden, war ich jedes Mal versucht, eine Mail zu schreiben, ob man denn nicht wisse, dass es das bei Olympus schon seit Jahren gibt?

Aber das ist ein anderes Thema.
Zusammengefasst: Technik als fotografisches Werkzeug muss passen, wie ein bequemer Schuh, oder besser Handschuh, dann kann ich damit arbeiten und meiner Kreativität freien Lauf lassen.

P.S.: ich hatte einmal Robins Leica M in der Hand. Spannendes Teil. Und soooo unbequem in meiner Hand….gut, das Geld hab ich mir schon mal gespart LOL.

Dann kam ich mehr durch Zufall 2019 zu einem Workshop bei Robin.
Robins Fotos faszinieren mich, weil sie oft Tiefe und Intimität und Zerissenheit, Düsterniss und brodelnde Gefühle ausstrahlen, vielleicht auch, weil sie in einem Großteil das Gegenteil von dem waren, was ich bis dahin fotografiert hatte.
Dadurch kam es dazu, dass ich auf social media gefragt habe, ob Robin denn auch Workshop gibt, und das hat er ja dann getan.

Robins Workshop 2019 hat mir viele Erkenntnisse gebracht, neben dem Kontakt zu wunderbaren Menschen, die ich dort kennenlernen durfte.

Das was ich mitgenommen habe, war nicht technisch, denn der Workshop geht davon aus, dass man seine Kamera weitgehend bedienen kann. Sondern ich habe über mich und meine Fotografie gelernt.

Mir war vorher nicht bewusst, wie viel ich durch meine Fotografie auch von mir selbst ausdrücke. Wie sehr ich mein Inneres darin zeige oder auch Dinge verarbeite, sie in kreative Energie umwandle. Wie auch die Beziehung zum Gegenüber, dem zu Fotografierenden, in den Bildern zum Ausdruck kommt.
Ich habe durch Robins Denkanstöße und seine Analysen begriffen, WARUM ich so fotografiere, wie ich fotografiere.
Es stimmt, wenn es heißt, Du musst Deinen Stil nicht finden, Du hast ihn schon!
Ich habe erkannt, dass durch meine Persönlichkeit, meinen Beruf als Hämatoonkologin und auch eigene Erfahrungen und Schicksalsschläge in den letzten Jahren die Schönheit der Welt, Liebe und Beziehungen für mich das ist, was ich versuche, in meinen Bildern herauszuarbeiten. Denn das ist das, was Sinn macht für mich, das, was wir immer wieder versuchen sollten, zu sehen und zu finden, auch in den dunklen Zeiten. Und das will ich herausarbeiten.

Der Workshop hat also nicht dazu geführt, dass ich wie Robin oder „jornsig“ oder irgendwie anders fotografiere. Es hat nicht dazu geführt, dass ich jemanden imitiere oder jemandem oder einem Stil nacheifere und kopiere. Im Gegenteil.
Ich weiß aber jetzt, was ich an Robins Stil so faszinierend finde. Im Grunde zeigt er eine „andere Seite“ der Medaille, Schönheit und Düsternis in schwarz-weiß.
Aber das ist halt nicht mein Weg.

Ich umarme Farbe und Hoffnung! (Mal gerade voll Mindclass hier… aber ihr wollt es ja so :0) )

Iris und Sam bei einem Voll-Sonne-Fotoshoot 😉


Im Workshop war mein Anspruch, mehr Menschen zu fotografieren (waren es zuvor ja vor allem Landschaft und Tiere), in die Peoplefotographie einzutauchen.

Model Isabell – Workshop bei Robin


Menschen machen Spaß, aber was ich auch gelernt habe, ist, dass mir Fotografie von Menschen vor allem dann Spaß macht, wenn ich eine Beziehung zu diesem Menschen habe.
Ja, es macht auch mal Spaß, ein gebuchtes Model zu fotografieren. Eine neue und sehr lehrreiche Erfahrung beim Workshop. Aber letztlich… ich kenne diesen Menschen nicht. Und es bringt mir persönlich außer mehr Erfahrung und einem netten Nachmittag nichts, diese Fotos zu knipsen, selbst wenn ich den Anspruch haben sollte, zu versuchen, die „Seele“ des Gegenübers darzustellen in Fotos. Das ist nicht mein Weg. Wenn ich solche Fotos auf meinem Rechner habe, denke ich vielleicht wenns gut läuft: super Fotos. Aber ich habe Fotos von einem fremden Menschen auf dem Rechner. Die werde ich nicht nach 5 Jahren noch mal rausholen und sagen, „weißt Du noch?“.

Wenn ich fotografiere, brauche ich eine „emotionale Beziehung“. Entweder mit Menschen, die ich kenne. Oder aber, wenn ich diese Beziehung zu einem Tier aufbauen kann. Oder aber auch, wenn Menschen und ihre Tiere diese emotionale Beziehung zueinander zeigen und ich diese einfangen kann. Daran erfreue ich mich, und ich freue mich besonders, wenn diese Menschen dann sagen, ja genau so bin ich und genauso ist mein Hund oder Pferd in der Beziehung zu mir. Du hast diesen speziellen Moment eingefangen. Was für ein Kompliment!
Das geht selbst dann, wenn ich die Menschen nicht kenne. Denn ich werde Teil dieser Emotionalität, die sich zeigt. DAS macht mir Spaß. DAS ist etwas, bei dem mein Herz vor Freude aufgeht, wenn ich diese Menschen glücklich machen kann und diese Emotionen einfangen kann.
Und das ist durchaus nicht einfach und ich hoffe, dass ich auf diesem Gebiet immer besser werde und noch viel fotografieren kann.

Martina und Sam
Iris und Kaya
Katharina und Draupnir – Mélasol

Was aber nicht heißt, dass ich nur noch Menschen und ihre Tiere fotografiere. Das ist ja das schöne als Hobbyfotograf: ich kann machen was ich will. 365-Tage Projekt mit meinem Hund (eine Herzensangelegenheit für mich!), Nebelstimmungen in schwarz-weiß, Burg-Elz im Sonnenaufgang, das Working-Equitation-Seminar unseres Reitstalls, Zoofotografie im GaiaZOO. Familienshootings, Landschaftsaufnahmen im Sonnenaufgang. Alles was mir Spaß macht.

Selfies mit der PEN-F
Spiegelung des Aachener Doms in einer Rathaustür

Aber was ich gelernt habe… meine Fotos zeigen immer etwas von mir selbst. Seitdem mir das bewusst ist, kann ich es auch bewusst einsetzen, verstärken, und manchmal zu Kunst machen. Ja, ich bin selbstbewusst genug zu sagen: das ist meine Kunst. Nicht jedes Bild. Aber immer mal wieder.


Und… mir ist piepegal, was andere davon denken. Ich hab Facebook und meine Instagram-Galerie, die aber meine emotionalsten Fotos oft gar nicht beinhaltet. Wenn jemand auf „like“ klickt – schön. Aber wenn nicht, ist es auch egal, ich kenne die meisten der Leute, die die Fotos vielleicht ansehen, ja gar nicht. Warum sollte mir also ein blauer Daumen auf weißem Grund oder ein rotes Herzchen unter einem Foto ein gutes Gefühl geben? Und ich muss den Algorithmus auch nicht überlisten. Ein Stress weniger. Mein Foto bleibt MEIN Foto. Und nur ICH kenne Hintergrund, Emotionen und Bedeutung dieses Fotos. Und das ist ein bisschen wie emotionale Andenken sammeln, aber mit viel mehr Wert, denn die Andenken kreiere ich selbst – und genau das ist die Definition – schöpferisches Gestalten in Auseinandersetzung mit Natur und Welt – und mir selbst.

Tip 4: fotografiere für DICH und nicht für andere. Überlege, was der Anteil von DIR in Deinen Bildern ist. Und hab Spaß dabei. Und lass die Fotografie Dir gut tun!

Danke an Robin für viele Augenöffner! Und wenn ihr auch bei einem Workshop dabei sein möchtet, schreibt Robin einfach an.

Und wenn Ihr Euch, Eure Vierbeiner oder sonstwas von und mit mir fotografiert haben möchtet, dann meldet Euch doch einfach bei mir!

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